Cannabis

Substanz

Cannabis gehört zur Familie der Hanfgewächse. THC (Tetrahydrocannabinol) gehört zur Stoffklasse der Cannabinoide und ist der psychoaktive Hauptwirkstoff der drei Hanfarten Cannabis indica, Cannabis ruderalis und Cannabis sativa. Darüber hinaus sind noch mehr als 60 weitere Cannabinoide enthalten, deren Zusammenspiel und Wechselwirkungen mit den über 400 Inhaltsstoffen zum typischen Cannabis-Rausch führen. Wirkstoffgehalt und Kombination der Cannabinoide variieren je nach Cannabissorte, was verschiedene Wirkungen zur Folge hat. Manche Sorten wirken eher beruhigend, andere leicht halluzinogen.

Es gibt unterschiedliche Zubereitungsformen: Marihuana (Gras, Ganja): klein geschnittene Pflanzenteile (weibliche Blüten), THC-Gehalt: Ø 7-8%; jedoch bis zu 20% und mehr bei Pflanzen, die unter besonderen Bedingungen (Licht, Bewässerung etc.) angebaut werden; Haschisch (Shit, Dope): gepresstes, oft gestrecktes Harz der Hanfpflanze, THC-Gehalt: 10-20%; Haschischöl (Öl aus dem Harz), THC-Gehalt: bis zu 80%.

Der THC-Gehalt von Cannabisprodukten kann erheblich variieren (nahezu 0% bis zu 25% des Harzes), der Durchschnittsgehalt ist jedoch seit Jahren stabil. Der in einigen Ländern festgestellte Anstieg des THC-Gehalts kann auf das Marktangebot an intensiv kultiviertem, innerhalb der EU angebautem Cannabis zurückgeführt werden.

Vermehrt werden Cannabinoide auch synthetisch hergestellt und in Kräutermischungen angeboten. Einige sind deutlich potenter als natürliches THC. Andere (halb)synthetische Cannabinoide, die bspw. in der Medizin Verwendung finden, erzeugen keinen Rausch.

Cannabis-Produkte können pur oder mit Tabak in Joints (Prinzip: selbstgedrehte Zigarette) und Pfeifen jeglicher Art geraucht sowie in Getränken (z.B. in Tee, Kakao) oder Nahrungsmitteln (z.B. in Keksen, Joghurt) zubereitet werden.

Beimengungen und Streckstoffe: Besonders in den letzten Jahren ist immer mehr gestrecktes Gras und Haschisch im Umlauf. Typische Streckstoffe für Cannabisprodukte sind zerriebene Teile anderer Pflanzen, Gewürze, Fette, Öle bis hin zu Schuhcreme, seltener können Sand, Glas, Wachs, Zucker, Haarspray oder speziell hergestellte Streckmittel ("Brix" enthalten sein.

Wirkung

Die Wirkung ist u.a. abhängig von Dosis, Reinheitsgrad, Gewöhnungseffekten sowie von Set (innerer Zustand) und Setting (Umfeld) des Users.

Wirkung tritt innerhalb von 10 min nach dem Rauchen ein. Wird Cannabis in Nahrungsmitteln oder Getränken konsumiert, dauert es 0,5-2 h bis zum Wirkungseintritt.

Wirkungsspektrum

Dein momentaner Gefühlszustand wird verstärkt. Nebeneinander von stimulierenden und sedierenden (beruhigenden) Effekten. Veränderung akustischer, visueller und taktiler (den Tastsinn betreffend) Empfindungen, des Raum-/Zeiterlebens. Euphorie mit erhöhter Kontaktfähigkeit ist möglich. Aphrodisierend. Bei hoher Dosis: gesteigerte Wahrnehmungsveränderungen und stark verminderter Antrieb (Mattheit bis Teilnahmslosigkeit). Die euphorische Phase hält 1-2 h an, anschließend tritt meist ein beruhigender Effekt in den Vordergrund. 

Wirkungsdauer

je nach Dosis und Stoffqualität 1-5 h. Beim Verzehr kann die Wirkung bis zu 10 h anhalten. 

THC erweitert die Bronchien, weshalb es auch als Asthmamittel eingesetzt wird. Es wirkt krampflindernd, schmerzstillend und appetitanregend (medizinische Anwendung bei chronischen Krankheiten wie Epilepsie, Multipler Sklerose oder Aids).

Kurzzeitnebenwirkungen

Mundtrockenheit, "rote Augen", Erhöhung der Herzfrequenz, Blutdruckabfall, leicht herabgesetzte Körpertemperatur, gesteigerter Appetit in Folge von gesenktem Blutzuckerspiegel. Reizhusten, gelegentlich Auftreten von Schwindelgefühlen, Konzentrationsproblemen. Erweiterte Pupillen möglich. 

Bei Überdosierung (auch bei Erstkonsum) sind Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Kreislaufprobleme, Halluzinationen und Angstzustände möglich.

Verkehrstüchtigkeit ist unter der Einwirkung von Cannabis in der Regel stark beeinträchtigt ("Tunnelblick", obwohl der User das Gefühl hat, noch fahren zu können.

Stephan Quensel: Cannabis, Straßenverkehr und junge Leute. Ein Dispositiv im Generationskonflikt

Langzeitnebenwirkungen

Bei Dauerusern können sich mit zunehmendem Konsum die Nebenwirkungen verstärken:

Lungenkrebsrisiko! Die aufgenommene Menge an krebserregenden Stoffen ist beim Joint-Rauchen höher als beim Zigarettenrauchen, weil:

  1. Cannabisrauch meist tiefer inhaliert und der Rauch länger in der Lunge gehalten wird als Zigarettenrauch.
  2. Joint-Filter zumeist kleine gerollte Kartonstücke sind, die keine Schadstoffe filtern können. Zigarettenfilter hingegen filtern einen Teil der giftigen Substanzen, bevor sie mit dem Rauch in die Lunge gelangen können.

Beim Rauchen sind außerdem Asthma und chronische Bronchitis, Husten, Halsschmerzen und Entzündungen der Nasennebenhöhlen möglich.

Durch Cannabiskonsum können latente (verborgen vorhandene) Psychosen ausgelöst werden.
Eine psychische Abhängigkeit ist möglich!

Bei häufigem Konsum von Cannabisprodukten kann es zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit des Kurzzeitgedächtnisses kommen.

Umstritten: Für sogenannte "Flashbacks"' (der User wird plötzlich in rauschartige Zustände zurückversetzt, auch wenn der letzte Konsum schon mehrere Wochen zurückliegt) oder das "Amotivationale Syndrom" gibt es bis heute keine wissenschaftlichen Beweise.

Wechselwirkungen

Cannabis + Tabak: erhöhtes Atemwegsrisiko. Nikotin unterdrückt die THC-Wirkung, während THC die Nikotinwirkung steigert.

Cannabis + Speed/Crystal/Ecstasy: Risiko von Kreislaufbelastungen, kann Angst- oder Panikzustände fördern.

Cannabis + Alkohol: verstärkt die Alkoholwirkung, kann Übelkeit verursachen. Wirkung von Cannabis wird durch Alkohol überdeckt. Cannabis + Psilocybin: gegenseitige Wirkverstärkung. Kann psychotische Zustände, begleitet von Angst, auslösen oder verstärken.

Cannabis + Nachtschattengewächse/Kokain: Cannabis kann die Wirkung von Nachtschattengewächsen oder Kokain verstärken.